Dieter Schmid, Waldhaus Brauerei

Ganz schön groß

Waldhaus ist winzig. Der Ort ist es und die nach ihm benannte Brauerei eigentlich auch. Doch Dieter Schmid bringt das Familienunternehmen immer weiter voran

Dieter Schmid führt die Waldhaus Brauerei in der vierten Generation

Dieter Schmid führt die Waldhaus Brauerei in der vierten Generation

Foto: Jigal Fichtner

Dieter Schmid sitzt im ­Revier des Feindes fest. Egal wo man hinschaut, all überall schaut von den Dächern der Schwarzwaldhütten fremde Bierwerbung hervor. Die Badische Staatsbrauerei Rothaus hat sich mit ihrem Tannenzäpfle und dem Schwarzwaldmädel „Biergit“ breitgemacht in dem Flecken, den Dieter Schmid seine Heimat nennt. Das ist der kleine Ort Waldhaus. 16 Menschen leben hier. Doppelt so viele arbeiten in der Brauerei Waldhaus. Schmid kann und will hier nicht weg.

Warum auch?

Dass die Nachbarn aus dem Ort Rothaus seine Heimat fest im Griff haben, ficht Schmid nicht an. „Im eigenen Land ist der Prophet nichts wert“, sagt er. Schmid kommt um einiges jugendlicher daher als es der Klang seines ­Namens vermuten ließe. Herr Schmid trägt einen modischen Anzug, das Haar halblang und nach hinten gegelt und zum Mittagessen trinkt er natürlich Bier der eigenen Marke. Nicht eins, sondern drei. Allerdings Light-Bier, also mit weniger Alkohol.

Schmid ist vor allem ein Familienmensch. Er setzt die Prioritäten anders als viele Unternehmer. Dass sein Büro mit von seinen Kindern gemalten Bildern beschmückt ist, mag noch Standard sein. Dass Schmid sich aber am Wochenende prinzipiell nicht mit seiner Firma beschäftigt, ist ungewöhnlich. „An erster Stelle steht meine Gesundheit“, sagt er. Morgens ist Schmid manchmal erst um zehn Uhr im Büro, weil er zuvor Joggen geht oder Fahrrad fährt. „Dann kommt meine Familie und erst dann meine Firma.“

Dieter Schmid führt das Unternehmen in der vierten Generation. Als er noch ein Kind war, hat seine anderthalb Jahre ältere Schwester mal gesagt, dass sie ja einst die Brauerei übernehmen könne. „Da habe ich nur gesagt: Nix da, das mache ich!“ Das Thema war damit geklärt.

Schmid lernt in Karlsruhe bei der Brauerei Hoepfner. Wohnt auch im zum Anwesen gehörenden Schloss. Selbst als er nach der Brauer- und Mälzerlehre ein BWL-Studium in Pforzheim anhängt, zieht er nicht aus dem Zimmer im Türmchen des Hoepfner-Schlosses. Bis heute verbindet ihn ein freundschaftliches Verhältnis zu der Familie. Dieter Schmids Vater Helmar, 71, hat bei der Brauerei Ganter in Freiburg gelernt. Auch hier tauscht man sich aus.

Befreundet mit dem Mitbewerber? Klar kämpft man um dieselben Kunden. Doch dieser Kampf wird an anderer Stelle ausgetragen. Glaubt man Schmid, so entscheiden vor allem das Management und die Marketing-Abteilung über Sieg oder Niederlage. ­Weniger die Braumeister. „Jeder Braumeister versucht das bestmögliche Bier zu brauen“, sagt Schmid voller Anerkennung. „Doch jede Brauerei hat andere Mittel. Selbst wenn wir wollten, könnten wir gar kein Bier brauen, das wie ein anderes schmeckt.“ Andere Technik, andere Rohstoffe, andere Lage. Die Rothaus-Brauerei etwa liegt 500 Meter höher als Waldhaus. Da reagieren die Stoffe ganz anders.

Schmid setzt auf Qualität. Zehn mal in Folge hat Waldhaus die wichtige DLG-Goldmedaille erhalten. Einmalig in ganz Deutschland. Den Hopfen fürs Bier züchtet das Unternehmen selbst. „Man könnte auch Hopfenextrakt nehmen und würde vielleicht auch Geld damit sparen. Aber man kann eine Suppe auch mit einem Brühwürfel kochen oder eben mit Knochen.“ Der Unterschied zeige sich im Geschmack.

Während Ganter in Freiburg kürzlich seine Ziele nach unten korrigiert hat, will Schmid immer mehr. Innerhalb von zehn Jahren will er doppelt so viel Bier brauen. Jetzt, nach drei Jahren, liegt er etwas über dem Soll. Dafür nistet er sich denn auch im fremden Land ein. Das Gourmetrestaurant vom Schloss Reinach in Freiburg-Munzingen und die Markthalle in der Innenstadt verkaufen das Pils von Waldhaus. Schmid strahlt stolz. Ein großer Sieg im fremden Land.

Philipp Peters

Dieter Schmid, 41, leitet die Brauerei Waldhaus seit zwölf Jahren mit seinem Vater ­Helmar. Die Brauerei gibt es bereits seit 176 Jahren, seit 164 Jahren ist sie am jetzigen Standort im kleinen Waldhaus, einem nur 16 Einwohner zählenden Ortsteil von Weilheim im Landkreis Waldshut. Die Familie Schmid besitzt und führt die Brauerei seit 1894, als Johann Schmid den Betrieb kauft. Es folgen Friedrich, dann Helmar und schließlich Dieter Schmid.

Mit zehn DLG-Goldmedaillen in Folge blickt Waldhaus auf eine einmalige Serie an Auszeichnungen. 150 weitere Ehrungen bestätigen die Qualität des Bieres, das es mittlerweile in neun Sorten gibt, etwa als Weizen, Radler, naturtrüb oder alkoholfrei. Anders als der deutsche Biermarkt wächst die Brauerei. Für das im September endende Braujahr erwartet Schmid ein Plus des Ausstoßes von acht Prozent auf dann mehr als 40 000 Hektoliter, also vier Millionen Liter.

Dieter Schmid hat nach der Lehre zum Brauer und Mälzer noch BWL studiert. Er ist verheiratet und lebt mit seiner Frau, einem Sohn und einer Tochter in Waldhaus.

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